Der gut.gelaunt.de-"Büroutensilientest"

Viele Bürger nicht nur dieser stolzen Republik, Sie eingeschlossen, liebe Leser, beklagen sich immer wieder über das "rasante" Arbeitstempo von Verwaltungen, Behörden, Rechnungsabteilungen usw., kurzum, über einen Großteil der bleistiftspitzenden und abheftenden Zunft. Grund genug für gut.gelaunt.de, den Arbeitspsychologen und einen Kenner der Materie Dr. H.L. Vielschreib mit der Untersuchung dieses Phänomens und der Aufdeckung potentieller Ursachen zu beauftragen. Lesen Sie hier die ersten Ergebnisse.

Büro-Utensilien und ihre Namen - Kern des Übels?!

"Verwaltungsangestellte sind Opfer der Sprache und der Industrie" so kann man das vorläufige Ergebnis der von mir durchgeführten Untersuchungen kurz und knapp zusammenfassen. Demnach sind die in den Verwaltungen und Behörden Beschäftigten durch die falsche Bennenung der von ihnen benutzten Schreibgeräte in diese fatale Trägheit gebracht worden, die wir heute oft an ihnen bemängeln. Jedoch bezichtigen wir sie ungerechter Weise der langsamen Abarbeitung von Aufträgen und Verwaltungsvorgängen, der schläfrigen Beachtung bzw. Missachtung der Kundschaft. Schuld an dieser Misere ist die fehlerhafte Entwicklung der Sprache, nicht nur der deutschen Sprache, sowie eine falsche Unternehmenspolitik.

In meiner Untersuchung konnte ich zahlreiche Einzelfälle aufdecken. Im Folgenden zeige ich beispielhaft einige der Kritikpunkte auf:

Bleistift
Bei diesem Typ Stift, bei dem Viele falscherweise zunächst an Umweltgifte denken, wiegt vor allem die Bedeutung der ersten Silbe schwer (im wahrsten Sinne des Wortes). Drückt doch gerade Blei in unserer Sprache etwas Schweres und Langsames aus. So benutzen wir den Begriff "er hat Blei in den Knochen" für nicht mehr sehr bewegliche oder schon recht müde Mitmenschen. Wie aber sollen sich erst die Personen verhalten, die tagtäglich mit diesem Schreibgerät zu tun haben? Ein besonders schwerer Fall ist dabei die Untergruppe der Drehbleistifte. Implizieren wir nicht bei "drehen" gleich das "Däumchendrehen", was dann natürlich von den beobachteten Probanden meist auch getan wird.
Kugelschreiber
Der auf den ersten Blick harmlose Kugelschreiber zeigt sich erst in der genaueren Betrachtung von seiner gefährlichen Seite. Der in unserer Sprache verankerte Begriff "eine ruhige Kugel schieben" kann in seiner Umsetzung daher auch sehr häufig bei den Benutzern beobachtet werden.
(Füll-)Federhalter
Bei diesem Abkömmling der Stifte stecken gleich mehrere Probleme in der Namensgebung. Die Sprache kennt den Begriff "in die Federn gehen". Wir denken gerne an die warmen Daunenfedern in der kalten Zeit, eine Zeit, in der sich Alles langsamer bewegt. Hinzu kommt nun noch der Begriff "Halter", in der Abstammung von "Halten", also anhalten. Folglich geht bei der Verwendung eines Federhalters nicht nur alles langsamer, nein, oft kommt es sogar zum völligen Stillstand bei der Ausführung der Arbeiten.
Filzstift
Dieses Schreibgerät birgt zunächst keine Langsamkeit und keinen Stillstand in sich, was das Ganze noch gefährlicher macht. Denn der Filzstift ist gerade das ausgewählte Werkzeug für kriminelle Verpflechtungen innerhalb der Verwaltungen bzw. in Kombination mit Industrieunternehmen, dem sogenannten "Filz". So verwundert es auch nicht, wenn zahlreiche Exemplare der examinierten Spezies für Bestechung und Klüngelei zugänglich sind.
Permanent-Marker/Permanentstift
Erschreckend ist der Name dieses Abkömmlings der Gattung Stift, drückt doch gerade der Begriff "permanent" absolut kein Zeichen von Bewegung oder Veränderung aus.
pen
(englisch, sprich "Penn!") Dieser englische Begriff zeigt, dass auch in anderen als der deutschen Sprache Begriffe unglücklich gewählt wurden. Bedeutung für unseren Sprachraum bekommt er durch die zunehmenden Anteil von Anglizismen in der deutschen Sprache. So kann immer häufiger an Probanden die direkte Umsetzung dieser Aufforderung zum Einschlafen festgestellt werden.
pencil
(englisch, sprich "Penn! Sil!") Auch keine bessere Wahl als das deutsche "Bleistift". Neben der Aufforderung zum Schlafen wird noch Wert auf eine leise Ausführung, d.h. vermutlich ohne Schnarchen, gelegt. "Sil!" ist in diesem Fall eine Abbreviation des lateinischen "Silentium!", "Ruhe!".
Parker
Dieser Name eines Schreibgeräteherstellers zeigt die gesamte Misere der Branche. "Parken" oder auch nur "Halten" zeigen kein Zeichen irgendeiner zukünftigen Absicht zur Fortbewegung. Hierdurch betroffen sind alle Nutzer eines von diesem Unternehmen gefertigten Stifts.
Lamy
(sprich "Lahmie") Wenig besser ist dieser Name eines anderen Schreibgeräteherstellers. Immerhin deutet es eine, wenn auch sehr stark eingeschränkte, Fortbewegung an. Jedoch kann auch hier nicht von einer zügigen Arbeitsweise ausgegangen werden.

Die gezeigten Beispiele sind nur die Spitze eines Eisbergs von unbedachter Namenswahl auf dem Gebiet der Schreibutensilien. Fazit unserer Untersuchung kann daher, wie zu Anfang angedeutet, nur sein, dass die von uns examinierten Probanden nicht für ihr träges, schläfriges Verhalten verantwortlich gemacht werden können. Im Gegenteil, die Verantwortlichen sitzen zum einen in den Vorstandsetagen der Schreibgerätehersteller, zum anderen aber auch in den wissenschaftlichen und politischen Gremien zur Entwicklung der deutschen Sprache. Aber bis auf eine kleine Rechtschreibreform wurde Nichts zustande gebracht. Hier sind deutliche Verbesserungen erforderlich, um die Zustände in den Verwaltungen zu ändern, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Conclusio, eine Aufgabe der Politik. Aber was will man erwarten?

4.12.1999
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